Interview: Wie das deutsche Verpackungsgesetz hilft, die Umwelt besser zu schützen

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Interview: Wie das deutsche Verpackungsgesetz hilft, die Umwelt besser zu schützen

Interview: Wie das deutsche Verpackungsgesetz hilft, die Umwelt besser zu schützen

Umweltschutz lässt niemanden kalt und auch lokale Geschäfte wollen wir schützen. Dennoch geht es uns allen gleich – wir erwischen uns immer wieder, wie wir schlussendlich doch etwas online bestellen. Weil es bequemer, einfacher und deutlich zeitsparender ist. Da wäre Papa, der mal wieder ein neues Teil für seinen Werkzeugkasten braucht oder Mama, die gerne hin und wieder Schuhe online shoppt. Und natürlich sind unsere Kinder noch viel empfänglicher für den Konsum im Netz, denn für sie ist das das Normalste der Welt.

Da jedes bestellte Lieblingsstück ordnungsgemäß verpackt sein muss, fällt durch den Onlineversand jede Menge Verpackungsmaterial an, welches bei fast allen nach der einmaligen Verwendung im Mülleimer landet.
Die deutsche Regierung reagiert mit dem neuen Verpackungsgesetz auf die veränderten Konsumgelüste und zwingt einem vorbildlich den Umweltschutz auf. Das freut uns natürlich riesig, denn wir haben nur diese eine Erde für uns. Wir haben eine Expertin, Frau Ida Schlößer, dazu befragt, was es genau mit dem neuen Gesetz auf sich hat und wer alles davon betroffen ist.

 


Ida Schlößer ist Online-Expertin und für den Umweltdienstleister Interseroh tätig. Als anerkanntes duales System mit langjähriger Erfahrung steht das Unternehmen Betroffenen in allen Fragen rund um das Verpackungsgesetz kompetent zur Seite. In einem Gastkommentar erklärt Ida die Änderungen und (auch über die Grenzen hinaus geltenden) Pflichten des neuen, zum 1. Januar 2019 in Deutschland eingeführten Verpackungsgesetzes sowie dessen Relevanz für die Umwelt.

 

 

TGC: Warum ist ein neues Gesetz hier notwendig?

Ida Schlößer: Ob Pflegeprodukte, Lebensmittel, Kleidung, Haushalts- oder Deko-Artikel – mittlerweile kann fast alles, was das Herz begehrt, online bestellt werden. Das vereinfacht zwar das Leben, geht aber oftmals zu Lasten der Umwelt. Denn mehr Versendungen bedeuten unweigerlich auch mehr Verpackungen, die in den Umlauf gebracht werden und letztendlich als Haushaltsabfall enden. Convenience-, To-Go-Produkte und immer kleinteiligere Verpackungen tragen zur Steigerung der Abfallfluten bei.

Bildquelle: EyeEm_Urheber: Dumitru_ID: 115949939

Für Hersteller und (Online-)Händler wird es daher höchste Zeit, im Sinne ihrer Produktverantwortung zu handeln und dafür zu sorgen, dass die von ihnen in Umlauf gebrachten Verpackungen fachgerecht verwertet und so in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Das neue Verpackungsgesetz (VerpackG), das in Deutschland seit dem 1. Januar 2019 gilt, hat genau das zum Ziel: Es soll die Recyclingquoten von Verpackungsabfällen erhöhen und damit deren Auswirkung auf die Umwelt verringern. Damit löst das neue VerpackG die bis dato geltende Verpackungsverordnung ab, die teils massive Schlupflöcher zuließ. Konkret verpflichtet das Gesetz jeden Händler und Hersteller, der in und nach Deutschland gewerbsmäßig Waren an Kunden versendet, seine Verpackungsmaterialien per „Lizenzentgelt“ bei einem dualen System zu entpflichten. Im Umkehrschluss sorgen die dualen Systeme für die fachgerechte Rücknahme und Verwertung des Verpackungsabfalls.

 

TGC: Welche Hersteller oder Händler sind von dem neuen VerpackG betroffen?

Ida Schlößer: Im Sinne des VerpackG ist es ausschlaggebend, ob du die oder der Erste bist, die/der eine sogenannte Verkaufsverpackung mit Ware befüllt und anschließend an einen privaten Endkonsumenten in Deutschland versendet, wo sie letztlich als Abfall verbleibt. Ist dies der Fall, giltst du vor dem Gesetz als Inverkehrbringer der Verpackungen (inklusive aller Verpackungsmaterialien) und bist verpflichtet, diese zu lizenzieren – und zwar ab der ersten Verpackung. Konkret umfasst das Gesetz unter dem Oberbegriff „Verkaufsverpackung“ sowohl die Produkt-, als auch die Service- und Versandverpackung. Welche Materialien mitunter lizenzierungspflichtig sind, zeigt dir das folgende Schaubild am Beispiel einer Versandverpackung:

Bildquelle: Interseroh

 

TGC: Welche Schritte muss man setzen, um dem Gesetz zu entsprechen?

Ida Schlößer: Schritt 1: Registriere dich bei einem dualen System (wie z.B. Interseroh via den Onlineshop Lizenzero), und gib deine geschätzte Verpackungsmenge an, die du voraussichtlich innerhalb eines Kalenderjahres in Deutschland in Umlauf bringen wirst. Einfach berechnen lässt sich diese mit der Lizenzero-Berechnungshilfe.
Schritt 2: Melde dich auch bei LUCID, der Registerdatenbank der neu geschaffenen Kontrollinstanz Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) an. Dort gibst du das duale System an, bei dem du dich im ersten Schritt registriert hast, und benennst auch da die geschätzte Verpackungsmenge. Abschließend erhältst du von der ZSVR eine Registrierungsnummer, die du wiederum bei deinem dualen System angibst.

 

TGC: Warum bedarf es einer doppelten Angabe?

Ida Schlößer: Die doppelte Angabe, sowohl beim dualen System als auch bei der ZSVR, soll eine Kontrolle über alle registrierten Händler und Hersteller ermöglichen. Zum einen wird Transparenz und Fairness auf dem Markt gewährleistet und zum anderen Trittbrettfahrern das Handwerk deutlich erschwert. Im Klartext bedeutet das, dass Händlern und Herstellern, die das neue VerpackG missachten oder falsche Mengen angeben, bis zu 200.000 Euro Bußgeld und Verkaufsverbote drohen können. Erste Abmahnungen belegen die Wirksamkeit dieses Kontrollmechanismus‘. Beachte bitte, dass für den länderübergreifenden Versand die Verpackungsbestimmungen im Zielland entscheidend sind. Wenn also die von dir versendete Ware Verpackungsabfall in Deutschland produziert, der dort in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt wird, unterliegen diese Verpackungen den Vorgaben des VerpackG.

Bildquelle: Interseroh

Natürlich bedeutet ein neues Gesetz neue Regularien und Pflichten, die es zu beachten gilt, und die mit Anstrengungen verbunden sind. Wir sollten uns aber immer bewusst sein, dass alles Tun eine Auswirkung auf unsere Umwelt und Folgegenerationen hat, weshalb der nachhaltige Aspekt dabei nie fehlen darf – auch nicht bei der Verpackung. Sie sollte nicht nur praktisch sein, sondern recyclinggerecht und mit Rücksicht auf die Umwelt designt werden. Ziel ist es, Rohstoffe da zu vermeiden, wo sie unnötig sind, und da im Kreislauf zu führen, wo sie unverzichtbar sind, um so eine Welt im Sinne des zero-waste-Gedankens zu ermöglichen.

 

Vielen Dank, liebe Ida, für das informative Gespräch. Es ist so wichtig, dass die Regierungen mit der Zeit gehen und Akzente setzen, die Umwelt zu schützen. Wir freuen uns sehr darüber.
Wer mehr Fragen dazu hat, kann sich gerne an uns oder an Interseroh wenden.
Hier die Kontaktdaten:
Mail: kontakt@lizenzero.de
Telefon: +49 2203 9147-1964